Standard Chartered
DUBAI  MARATHON
Marathon und 10 Kilometer     -     16. Januar 2009
Bericht eines Teilnehmers am 10-Kilometer-Lauf
 

Schon 2006 war ich mit meiner Familie an den Persischen Golf geflogen, um an der Laufveranstaltung in Dubai teilzunehmen. Unerwartet und genau zu dieser Zeit starb Sheikh Maktoum und während der 30-tägigen Staatstrauer fielen alle Veranstaltungen im Emirat aus und somit auch der Lauf. Die Enttäuschung war groß, doch mein Interesse an diesem faszinierenden und sympathischen Land war geweckt.

Gebucht hatte ich diesmal die Laufreise für Regina und mich beim Reiseveranstalter VAE24. Aufmerksam auf diesen Veranstalter bin ich durch einen Flyer geworden, den ich beim Burgdorfer City-Lauf entdeckt habe. Thomas Walter ist der Inhaber dieser Firma und hat mit seiner Frau Doris vor kurzem den Wohnsitz nach Dubai verlegt. Für die Firma arabien explorers arbeitet er als Director of Business Development. Thomas ist nicht Laufreiseveranstalter im klassischen Sinn. Er organisiert von Dubai aus u. a. Reisen zu Läufen im südöstlichen Bereich der Arabischen Halbinsel und nach Mumbai. Die Bedürfnisse und Besonderheiten von Läufern hat ihm sein Vater vermittelt, der aktiver Langstreckenläufer ist.

Für die Entscheidung, nach Dubai zu fliegen, haben eine ganze Reihe von Gründen eine Rolle gespielt. Ganz vorn stand natürlich die Laufveranstaltung und das Interesse, was sich in der Boomtown in drei Jahren getan hatte. Des Weiteren wollte ich wie überall, wo ich ein paar Nächte verbringe, den Ort laufend erkunden. Außerdem hatte ich mich mit den Mitgliedern eines Running Clubs verabredet und Exkursionen mit Regina in die Nachbaremirate standen auf dem Plan.

Unser Kleinbus von arabien explorers brachte am Tag vor dem Laufereignis die Gruppe zur Ausgabe der Startunterlagen in das 24 Kilometer entfernten Westin Hotel. In beeindruckender Kulisse und ohne großes Gedränge bekamen die 21 Mitglieder der Reisegruppe ihre Tasche mit der Startnummer. Ahmed Al Kamali ist der Renndirektor des Standard Chartered Dubai Marathons und betrachtete das Geschehen im Raum der Run Number Collection. Herr Kamali ist vor einigen Jahren selbst in Hannover gelaufen und erinnert sich noch genau an die Stadt. Er grüßt alle Spargelsprinter und lädt sie ein, auch mal an seiner Laufveranstaltung in Dubai teilzunehmen.

Ausgabe der Startunterlagen  im Westin Hotel Die Athleten lassen die Knowledge Village hinter sich

Am Lauftag wurden die Athleten um 04:00 h durch den Weckdienst aus den schönsten Träumen gerissen. Die Fahrzeit zum Startareal dauerte zwar nur eine halbe Stunde, der Veranstalter hatte aber die Startzeiten vorverlegt: Marathon 06:30h, 10 Kilometer 06:45h. Herr Kamali lässt nichts unversucht, den neuen Weltrekord nach Dubai zu holen. Die Strecke ist wiederholt geändert worden. Sie ist nun noch flacher und hat noch weniger Kurven. Die frühe Startzeit sollte den Einfluss eines eventuell warmen Tages ausschalten. Die Wetterstatistik gibt für die Höchsttemperatur im Januar 24 °C und für die Tiefsttemperatur 14 °C an.

Thomas Walter hatte am Vorabend seinen Privatwagen in 100 Meter Entfernung vom Start geparkt, um seiner Gruppe das Gedränge an der Kleiderbeutelabgabe zu ersparen. Das Fahrzeug blieb am ganzen Tag unverschlossen und unbewacht. Für Dubai ist so etwas durchaus normal. Die Kriminalitätsrate im Emirat liegt fast bei Null.

Eine viertel Stunde vor dem Start zum 10-Kilometer-Lauf habe ich mich in völliger Dunkelheit zur Startaufstellung begeben. Die Palmen auf der einen Seite und die erleuchteten Hochhäuser von Dubai Marina, Dubai Internet City, Dubai Media City und Knowledge Village auf der anderen Seite gaben eine großartige Kulisse für das Ereignis ab. Der Einweg-Chip von Mika-Timing war festgeschnürt, die Kamera dabei, ich war zufrieden und alles war prima - bis der Nieselregen einsetzte. Na super, dachte ich mir, denn an einen wasserdichten Beutel für die Kamera hatte ich nicht gedacht. Das war dann aber doch nicht so schlimm, denn kurz nach dem Start verzogen sich die Regenwolken wieder.

Die 10er Strecke - ebenso wie die Marathon-Distanz - ist eine Pendelstrecke. In Höhe der Knowledge Village wurde es langsam hell und die Morgensonne belohnte sogar die Athleten mit einem schönen Morgenrot. Streckenweise standen den Läufern sogar vier verkehrsfrei gehaltene Fahrspuren zur Verfügung. Nach einigen Kilometern passierten die Sportler einen Palast der Al Maktoum Familie. Die Palastanlage liegt zwischen der Straße und dem Strand ganz diskret hinter hohen Mauern versteckt. Schon bald taucht wegen der Größe das Burj Al Arab auf. Einige hundert Meter vor diesem Hotel ist der Wendepunkt erreicht. Marathonläufer erreichen die Hälfte ihrer Strecke auf der Verlängerung dieser Uferstraße. Später werden sie berichten, dass ihnen vor dem Burj Al Arab von Kellnern mit Anzug, Fliege und weißen Handschuhen Wasser gereicht wurde.

Die Regenwolken verziehen sich und langsam wird es hell Haile Gebreselassie läuft im strömenden Regen zum Ziel

Eigentlich wollte ich Regina nach dem Lauf in´s Burj Al Arab zum Dinner einladen. Das wäre aber ungünstig gewesen, da am nächsten Tag in aller Frühe unser Flieger in Richtung Heimat ging. So wurde das Abendessen einen Tag vor den Laufwettbewerb gelegt.
Nach rechtzeitiger Anmeldung und Vorlage einer schriftlichen Bestätigung am Checkpoint vor Ort wurde die Straßensperre vor der Brücke in den Boden versenkt. Der Weg zum Wahrzeichen von Dubai war nun frei.
Als Namensvorschlag wäre einem Berliner vielleicht Schwangere Auster von Arabien eingefallen, was die wesentlichen, äußeren Architekturmerkmale gut beschreibt. Das Gebäude hat einen v-förmigen Grundriss und ist zur Landseite mit einer gewölbten Fassade abgeschlossen. Die Räume und Suiten befinden sich in den Seitenteilen des "V". Beim Betreten zu nächtlicher Stunde bin ich von der Buntheit der Materialien überrascht. Mit der Rolltreppe fahren wir an einem vier Meter hohen Aquarium entlang und kommen in der Lobby an. Die Wandelhalle ist 180 Meter hoch und macht, unterstrichen von farbigen Strahlern, einen noch lebhafteren Eindruck. Alles wirkt sehr edel. Im Hotel wurden an die 8 000 m² Blattgold verarbeitet. Trotz des Glanzes finden wir unser Restaurant sofort und genießen einen außergewöhnlichen Abend.

Doch nun zurück zum Lauf. An der Wende- und Wasserstelle nach fünf Kilometern stehen keine Kellner mit Anzug und Fliege, sondern Helfer in Freizeitkleidung. Nach der Richtungsänderung brauen sich am Horizont dunkle Wolken zusammen. Nun stelle ich fest, dass der Start bei Dunkelheit bei einer Pendelstrecke einen Vorteil hat. Die Kulisse hat sich auf den letzten Kilometern beträchtlich geändert.

In Höhe des Ziels setzt Nieselregen ein. Nachdem ich meine Medaille empfangen habe, ziehe ich mich um und mache mich auf den Weg zur Tribüne. Der Regen wird stärker. Eine viertel Stunde vor Haile Gebreselassies Zieleinlauf habe ich einen Platz gefunden. Nun regnet es hier ganz derbe. Marathonis berichten später nur von leichtem Regen auf der Strecke. Endlich naht Haile Gebreselassie. Zunächst nicht er selbst, sondern ein Tross von blinkenden Fahrzeugen auf zwei, drei und vier Rädern. Vor Erreichen des Ziels biegen die Begleiter ab und überlassen dem Meister den Auftritt. Kraftvoll, frisch und mit großen Schritten läuft er mit 02:05:29 bei strömenden Regen ins Ziel - Haile Gebreselassie hat es nicht geschafft in Dubai seinen eigenen Weltrekord 02:03:59 von Berlin zu verbessern.

Vier Laufklubs gibt es in Dubai: Dubai Creek Striders, Dubai Road Runners, ABRaS AC und Mirdif Milers. Mit dem "Duty Runner" von ABRaS AC hatte ich einen Termin zum "Lauftreff" ausgemacht. Die Gruppe trifft sich abwechselnd in Jebel Ali, in Meadows Area oder im Safa Park. Leider ist aus dem gemeinsamen Laufen und Erfahrungsaustausch nichts geworden, da meine Woche mit Besichtigungen, Aktivitäten, Lauf und Exkursionen in vier andere Emirate ausgefüllt war.

Am Anfang war ich skeptisch. Thomas Walter und die VAE24 waren für mich ein völlig unbekannter Veranstalter für Laufreisen. Mit seinem Angebot zum Standard Chartered Dubai Marathon war er der preiswerteste Anbieter. Alle Bedenken waren ausgeräumt als wir sahen, wie das Ehepaar Walter sich fürsorglich um uns kümmerte und wir mit ihnen eine erlebnisreiche, schöne Woche am Persischen Golf verbringen konnten. Gelegentliche Umdisponierungen hat Thomas so irritationsfrei wie möglich erledigt. Wenn bei uns mal wieder Dubai auf dem Programm steht, werden wir uns sicher für ihn entscheiden.

*
In der Finisherliste habe ich meinen Namen vergeblich gesucht. Meine Reklamation an den Laufveranstalter Standard Chartered Dubai Marathon wurde an Mika-Timing Deutschland weitergeleitet. Nach einigen Mails und Einschicken des Einweg-Chips habe ich folgenden Text von Mika-Timing erhalten:
"... Was vor Ort passiert ist: Es wurde teilweise von den Helfern falsche Startnummern ausgegeben. Somit sind Sie mit einem Chip gelaufen, der eigentlich jemand anderem gehört. Wir ändern jetzt die Zuordnung und dann sehen Sie Ihre Zeiten online. ..." (Frank Ratajczak, Mika-Timing, Bergisch Gladbach)
Nachtrag: Am 6. Februar war der Eintrag korrekt in die Ergebnisliste eingefügt.

20 Fotos von der Laufveranstaltung Standard Chartered Dubai Marathon gibt´s in meinem Webalbum unter/Insert the following line in your browser and you can see 20 pictures of the Standard Chartered Dubai Marathon:
http://picasaweb.google.com/sandrunner6/DubaiLaufen?authkey=ECScfg4c32w&feat=directlink

17 Fotos von Dubai gibt´s in meinem Webalbum unter/Insert the following line in your browser and you can see 17 pictures of Dubai:
http://picasaweb.google.com/sandrunner6/Dubai?authkey=5BEOZFP7gkc&feat=directlink

Finisher!  unofficial   Standard Chartered Dubai Marathon
42 km
10 km
Summe
888
3457
4345
Rainer Lingemann 05.02.09
 
 
Hintergrundfoto: Was hat der Fotograf da bloss wieder vor der Linse gehabt?