2. Öger Antalya Marathon
18. März 2007
Bericht vom Halbmarathon
 
Drei Ausschreibungen für Laufreisen waren bei mir in die engere Auswahl für den diesjährigen Laufurlaub gekommen: Der Marrakesch-Marathon/Marokko, der Ägypten-Marathon/Luxor und der Öger Antalya Marathon/Türkei. Auf den Flyer vom Ögerlauf bin ich beim Einkauf bei Runnerspoint in Hannover gestoßen. Die Webseite "www.oeger-marathon.com" hat mich dann für meinen ersten Lauf in der Türkei überzeugt. Das Angebot war gut und ein Flug ab Hannover möglich, was bei den kleinen Laufreiseveranstaltern zu den internationalen Läufen meistens nicht der Fall ist. Für dieses Event gab es sogar drei Abflugtage/Woche.

Auf dem internationalen Laufasphalt gibt es zwei neu etablierte Läufe, den TUI-Marathon Palma de Mallorca und den Öger Antalya Marathon. Während die TUI auf der Mittelmeerinsel nur als Hauptsponsor der Veranstaltung auftritt, ist Öger der Veranstalter und Sponsor des Laufes an der türkischen Riviera. Auf der einen Seite steht sicher die Idee dahinter, Gäste auch außerhalb der Saison ins Land zu holen, auf der anderen Seite spielt vielleicht die sportliche Vergangenheit des Mittelstreckenläufers Vural Öger eine Rolle. Neben seiner sportlichen Betätigung studierte der nach Deutschland gekommene junge Öger Maschinenbau, um dann das Reiseunternehmen Öger Tours aufzubauen.

Mit den Erfahrungen aus elf Laufreiseveranstaltungen bei drei Veranstaltern bin ich der Meinung, dass die Informationen aus Flyer, Katalog, Reiseunterlagen und der Webseite zu den umfangreichsten und die Organisationsvorbereitung mit zu den besten zählte. Die vermeidbare Startverzögerung beim Abflug HAJ irritierte zwar Regina, meine Erwartungen an eine tadellose Organisation vor Ort wurden aber nicht geschmälert.

Für Antalya konnten die Lauftouristen zwischen sechs verschiedenen "Marathon-Reisepaket Hotels" mit sieben oder drei Nächten wählen. Der Hänigser Athlet und seine Ehefrau mit viel Geduld und Herz für Läufer hatten sich für das Hotel Porto Bello mit erweiterter Vollpension entschieden. Eine gute Hydrierung war meistens schwer zu realisieren, weil diese Form der Vollverpflegung neben Wasser auch Rot- und Weißwein umfasste.

Ausgabe der Startunterlagen in der Glaspyramide. Die gelben Dinger mit den Ösen sind die Gates für die BipChips. Der Spargelsprinter eine halbe Stunde vor dem Start.
Zur Information der Läufer gab es in jedem der "Marathon-Hotels" in der Nähe der Rezeption ein nicht zu übersehendes "Info-Desk", an dem zu bestimmten Zeiten ein freundlicher und engagierter "Marathon-Reiseleiter", Herr Kürsat Göy, sich um die Belange der Sportler kümmerte.
Die Startnummern gab es im Kulturzentrum in der Glaspyramide. Sportler, die an der Streckenbesichtigung teilgenommen hatten, konnten ihre Unterlagen dort sofort mitnehmen. Selber abholen war auch möglich. Zum Beispiel mit dem Dolmus - das sind die kleinen Pendelbusse in der Türkei - war das kein Problem. Bei Verständigungsproblemen mit dem Fahrer finden sich immer einheimische Fahrgäste, die gern helfen.

Gestartet wurden alle Distanzen neben dem Atatürk Stadion. Der Gouverneur der Provinz und Vural Öger schickten pünktlich um 9.30 Uhr die Halbmarathonläufer auf die Strecke. Meine Kamera hatte ich natürlich wieder für "laufen + fotografieren" dabei.
Auf dem Hinweg der Pendelstrecke liegt die Steilküste mit dem Mittelmeer auf der rechten und Wohnhäuser und Hotels auf der linken Seite. Auf dem Rückweg zeigen sich dann am Horizont die schneebedeckten Gipfel des Taurusgebirges. Die Strecke war vom Verkehr freigehalten und nur selten kam es zum Kräftemessen zwischen Polizei und einem Pkw, der eben mal die Straße kreuzen wollte. Wasserstellen gab es reichlich, so etwa alle 2 ½ Kilometer, Zuschauer an der Strecke waren eher selten. Nett fand ich den Auftritt von einer Bauchtänzerin und einem Feuerschlucker am Straßenrand. Der wollte wohl bildlich gesprochen schlaffen Läufern etwas Feuer unter´m Hintern machen. Hat mir aber leider nicht viel geholfen. Zuerst hatte ich das Gefühl, dass andere Sportler ihre letzten Reserven mobilisierten und mich überholten. Später mußte ich erkennen, das andere an mir vorbeizogen, weil ich langsamer geworden war. Auf den letzten Kilometern wurde es immer wärmer. Der Wind, der sonst jeden Tag wehte, war am Renntag ganz ausgeblieben. Und ganz so eben, wie in der Ausschreibung angekündigt, war die Strecke doch nicht.

"laufen + fotografieren" 1 "laufen + fotografieren" 2
Endlich waren Musik und Durchsagen vom Ziel "Atatürk-Stadion" zu vernehmen. Zuschauerzahlen nahmen nun langsam zu und die Schritte wurden wieder leichter. Eine schöne Stadionrunde folgte, ich passierte das Gate für den BipChip und war im Ziel. Ein Blick auf die Uhr - der erste Gedanke: na ja, da sollte ich vielleicht mal meinen Hausarzt konsultieren. Nach diesem ersten Dämpfer gab´s von einer netten Sportlerin des türkischen Leichtathletikverbandes eine Medaille um den Hals gehängt. Zu meiner Freude und Überraschung wartete wenige Meter weiter Regina. Sie hatte sich in den für Begleiter gesperrten Innenraum des Stadions durchgemogelt, um mich sofort in Empfang zu nehmen. Nach dem ersten Schreck über die Zeit setzte sich nun Gelassenheit durch. Auf dem weichen Rasen des Stadions genoss ich - alle Viere von mir gestreckt - die Entspannung, während mich Regina mit Getränken und frischen Orangen aufpäppelte.
Schon wieder physisch und psychisch  aufgepäppelt: der Hänigser Athlet Die Abschlussfeier
Eine schöne Abrundung dieses erlebnisreichen Tages bildete die Abschlussfeier am Abend. Ein Vertreter von Öger Tours sprach über den Lauf und stellte die an der Organisation beteiligten Mitarbeiter und ihre Arbeit vor. Am umfangreichen Büfett konnten Sportler und Begleiter nicht nur ihre Kohlenhydratspeicher wieder auffüllen. Selbst hochmotivierte Athleten sprachen nun dem Wein vorbehaltlos zu und rasante Bühnenaufführungen kamen bei den Aktiven des Vormittags gut an. Am Schluss der Veranstaltung konnte man für sage und schreibe fünf EURO eine professionelle DVD des 2. Öger Antalya-Marathons erwerben.

Der Antalya-Marathon ist eine wohl organisierte Veranstaltung und ein guter Einstieg in die Laufsaison. Das Marathon-Reisepaket von Öger hat nach meinen Erfahrungen ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis.
Das Zeug, zu einer großen Laufveranstaltung aufzusteigen, hat der Lauf in Antalya nach meiner Meinung nicht. Dafür ist das Interesse am Laufsport in der Türkei noch zu gering. Die Teilnahme von deutschen, verheirateten Läufern mit nichtlaufenden Partnern oder mit Kindern wird sich für viele Interessierte so leicht nicht realisieren lassen.

Finisherzahlen und Sieger beim 2. Öger Antalya Marathon

Marathon: 296, William Kurgat (Kenia) 2:19:23 h, Monica Samila (Kenia) 2:49:47 h,
Halbmarathon: 656, James Kirva (Kenia) 1:03:59,4 h, Lilya Yazdhak (Russland) 1:15:03 h,
Rolli-Marathon: 2, Team-Marathon: 108

Rainer Lingemann