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Bericht
vom Palermo Halbmarathon
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17. Oktober
2004
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Land, wo die Zitronen blühn, Im dunklen Laub die Goldorangen glühn, Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht, Kennst du es wohl? Dahin! Dahin ... |
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Gedicht:
Johann Wolfgang von Goethe
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Bericht:
Rainer Lingemann
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- genauer
nach Sizilien, sollte meine diesjährige Laufreise zum Palermo-Halbmarathon
führen. Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass diese
Veranstaltung in die Herbstferien fiel und neben meiner sportlichen Betreuerin
Regina auch unser Sohn Florian ins Land der blühenden Zitronen reisen
konnte. So richtig geblüht haben sie allerdings nicht mehr, aber
die Bäume sahen auch mit den gelben Früchten recht reizvoll
aus. |
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Leonardo
Sorbello ist der Cheforganisator dieser Veranstaltung. Seine äußere
Erscheinung erinnert eher an einen Theaterdirektor und von Haus aus ist
er Professor der Physik. Durch sein Organisationstalent und seine Beziehungen
hatte er für die Kreienbaum-Sportgruppe erreicht, dass die Polizei
von Palermo einen Bus samt Karabiniere als Fahrer für die kostenlosen
Transfers Flughafen und Start zur Verfügung gestellt hat.
Die Startgebühren betrugen 13,-Euro und 18,- Euro für Halbmarathon, bzw. Marathon. Für diese sensationell niedrigen Startgelder wurde vom Professore ein gut organisierter Lauf von Antico stabilimento balneare in Mondello bis nach Palermo und zurück organisiert. An der Strecke standen zwischen den Getränkestationen Doppelposten von Rotkreuzhelfern. In Palermo versuchte ein Großaufgebot von Karabinieri aller Dienstgrade die Laufstrecke von temperamentvollen Süditalienern auf zwei bis vier Rädern freizuhalten, was auch fast überall gelang. Für das Startgeld gab es noch eine Medaille, ein T-Shirt und einen Leihchip. |
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Am Renntag
hieß es dann um 5.45 Uhr aufzustehen. Eine dreiviertel Stunde später
hatte das Restaurant geöffnet. Mit kompletter Laufkleidung und meiner
Startnummer am Bauch eilte ich zum Büfett um mir genügend Kalorien
für die kommenden Anstrengungen zusammenzustellen. Meine Familie
hielt sich auch gut an den Zeitplan und so erreichten wir den zweiten
Polizeibus vom Hotel Citta del Mare zum Startplatz nach Mondello. Florian
hatte sich vor Ort entschieden, am Fun-Run über fünf Kilometer
teilzunehmen und seine Spannung stieg nun, genau wie bei mir, langsam
an.
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Die Startzeit rückte langsam näher und gut hydriert begab ich mich in den abgesperrten Bereich. Supermarathon-, Marathon- und Halbmarathonläufer hatten alle die gleiche Startzeit 9.00 Uhr. Schon bald war ich von vielen Läufern umringt und die Suche nach der optimalen Position erübrigte sich, da sich das Startfeld rasch verdichtet hatte. Durchsagen waren in dem Getümmel nicht mehr zu verstehen (es wurde fast nur italienisch gesprochen). Die Uhr zeigte den nahenden Start an und pünktlich erfolgte der Startschuss. Zuerst musste
ein Hügel zwischen dem Startort Mondello und Palermo überwunden
werden. Das waren eigentlich nur schlappe 80 Meter Höhendifferenz,
aber die Steigung zog sich endlos durch den Parco della Favorita. Als
gefühlte Höhendifferenz hätte ich da eher 300 Meter angegeben,
was sicher auch auf die 26 ° Celsius (im Schatten!) bei wolkenlosem
Himmel am ganzen Renntag zurückzuführen war. Irgendwann ging
es dann jedoch auch wieder bergab und der Stadtrand von Palermo war erreicht.
In der nun abwechslungsreicheren Strecke ging es vorbei an der Altstadt
(sehr schön und verkommen) durch Palermo mit seinen Denkmälern,
Palazzi, Kirchen bis zum Teatro Massimo. Auf der Freitreppe des Theaters
spielten uniformierte Musiker, um die Läuferschar mit Pauken und
Trompeten in Stimmung zu bringen.
Weiter ging es auf den breiten und noch ebenen Straßen durch verschiedene Stadtteile. Am Parco della Favorita war der Rundkurs beendet, auf gleicher Strecke ging es zurück Richtung Seebad Mondello. Das bedeutete dann auch wieder lange Geraden mit viel Grün bergauf und die Kilometerschilder schienen endlos weit auseinander zu stehen. Rechts von mir passierte ich nun den Monte Pellegrino. Dort oben befindet sich in 429 Metern Höhe das Satuario di Santa Rosalita. Dort sollte besagte Heilige 1625 in einer 25 Meter tiefen Grotte gebetet haben. Und von der Decke tropft nun Wasser, das als wundertätig gilt. Wundertätiges Wasser - ein schöner Gedanke für einen ermatteten Läufer. Das Ganze auch noch in einer kühlen Grotte! Mit diesen angenehmen Gedanken an die Heilige und die Grotte kam ich gut übern Berg. Bergab wollte ich nun meinen trainierten (und eine Woche vorher beim Harzgebirgslauf erfolgreich getesteten) Bergabtempolauf machen. Das war aber molto imposibile und so ging es mit normalem Lauftempo Richtung Ziel. Bei den letzten Kilometern sind für mich zunehmende Geräusche aus dem Zielbereich eine schönere Vorfreude als die Kilometrierungsschilder am Straßenrand. Bald schon höre ich den Sprecher und die Musik am Ziel, sehe das Mittelmeer zur Rechten und biege auf die Uferpromenade mit den Palmen auf beiden Seiten ein. Das Ziel kommt näher und näher, der Endorphinspiegel auf der nach oben offenen Skala steigt und steigt. Ich sehe Regina winken - fünf Meter weiter jubelt Florian - die ersten Zuschauer nach 21 Kilometern klatschen - und ich bin felicissimo im Ziel. In der Gasse hinter dem Ziel wurde erst einmal mit verschiedenen Getränken und Apfelsinenteilen der Flüssigkeitshaushalt nachgebessert. Den nur in Italien gebräuchlichen Chip schnürte ich mir vom Schuh (keine Unterscheidung zwischen Brutto- und Nettozeit) und im Ausgleich dafür gab es die Medaille. Schon leicht erholt machte ich mich auf den Weg zu meiner Familie an der Ziellinie. Groß war meine Überraschung, als ich von Regina und Florian einen von der Familie gestifteten Pokal erhielt. |
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Am Abend machte Bernhard noch eine Nachbesprechung vom Laufgeschehen, beglückwünschte zwei Geburtstagskinder, verteilte noch Auszeichnungen an einige Athleten, ehrte den ältesten Läufer der Gruppe und übergab eine Kappe an Florian als den jüngsten Teilnehmer. Bei unseren
Ausflügen hat uns die Fahrt nach Agrigento am besten gefallen. Die
Siedlung an der Südküste Siziliens wurde 582 v. Chr. von den
Griechen gegründet. Das Foto zeigt den Hera-Tempel der umfangreichen
antiken Stadt, beziehungsweise das, was Römer, Karthager, Wandalen
und Sarazenen davon übriggelassen haben.
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Für
den Hintergrund haben sich freundlicherweise die Opuntien (Opuntia ficus
indica) aus dem Garten des Citta del Mare zur Verfügung gestellt.
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