Victoria Falls Marathon
14. Juli 2013
Ein Lauf-, Veranstaltungs- und Reisebericht eines Halbmarathonteilnehmers in Victoria Falls/Simbabwe
 

Eigentlich wollte der Berichterstatter in das Heimatland der ostafrikanischen Wunderläufer. Äthiopien stand in diesem Jahr ganz oben auf der Wunschliste für Laufreisen. Informationen von Teilnehmern am Great Ethiopian Run in Addis Abeba ließen ihn aber davon Abstand nehmen. Die Mängel in Reiseablauf und Durchführung des größten Volkslaufs in Afrika mit 30.000 Teilnehmern schreckten den erfahrenen "Länderläufer" von seinem Vorhaben ab. Eine viel kleinere Veranstaltung mit nur rund 500 Finishern in Victoria Falls (an den gleichnamigen Fällen) in Simbabwe hatte der Laufreiseveranstalter Sportotto zum ersten Mal in seinem Programm. Dieser Lauf, die Anschlussreise nach Botswana an den Chobe-Fluss und in das Okawango Delta überzeugten den Ausdauerläufer aus der Region Hannover sofort.

John Addison, der Gründer des Tourismusunternehmens Wild Frontiers hat den Econet Victoria Falls Marathon ins Leben gerufen. Neben dem Marathon wird ein Halbmarathon und ein Fun Run über fünf Kilometer angeboten. Das Besondere an dieser Veranstaltung ist zum einen, dass die Athleten auf der Victoria-Falls-Brücke laufend die Grenze zu Sambia passieren und eine ein Kilometer lange Wendeschleife absolvieren. Zum anderen findet der gesamte Lauf mit Ausnahme des Stadtgebiets von Victoria Falls (17.000 Einw.) im Sambesi Nationalpark und Victoria Falls Nationalpark statt. Und dort streifen Tiere umher, die man in Zoos nur hinter besonders gesicherten Absperrungen zu sehen bekommt.

Den ersten Eindruck vom Umgang der Simbabwer mit wilden Tieren erhielt die zwölfköpfige Gruppe in ihrem Hotel A´Zambezi River Lodge. Das Hotel liegt zwischen Sambesi und der Mosi-Oa-Tunya-Road, die 600 Meter weiter zum Parktor führt. Zäune um die Hotelanlage gibt es nicht, obwohl auf der anderen Straßenseite der Nationalpark beginnt. Am Parkplatz neben dem Weg zur Rezeption steht ein Schild "Wild animals can be dangerous. Do not feed, play or go near them". Dort, wo der Hotelgarten am Sambesi endet, steht ein nett gemeinter Warnhinweis auf einem Brett in Form eines Fischs "Beware of Crocodiles". Schon am ersten Tag habe ich tagsüber eine Rotte Warzenschweine beobachtet, die aus der knochentrockenen Savanne in den saftiggrünen Hotelgarten einfiel. Ebenso hatten dort Paviane viel Freude an den knackigen Grünpflanzen. Bei Dunkelheit hielt sich zur Abendessenszeit ein Elefant auf dem Hotelgrundstück auf. Er war, ebenso wie mehrere Flusspferde zu anderer Stunde, durch den Sambesi geschwommen. Für diese Situation waren die Laufsportler von der Reiseleitung vorbereitet worden: Nicht den Raum zwischen Flusspferd und Gewässer betreten, da die massigen Tiere dies als Bedrohung empfinden und sofort angreifen würden. Krokodil gab es jedoch nur am Abendbüfett, völlig ungefährlich, fein in Streifen geschnitten, zart und in kleinen Portionen.

Im Flyer des Vic Falls Runs geht der Veranstalter auf die besonderen Umstände des Laufs ein. Er weist darauf hin, dass der Lauf in einem Nationalpark stattfindet. Bewaffnete Parkangestellte werden unterwegs sein. Er warnt die Athleten: "If you are running - and you see any big game (elephant/buffalo etc.) - STOP and wait for it to pass". Auf der Rückfahrt von der Startnummernausgabe im Kingdom Hotel entdecke ich auf dem Parcours, der auch an der A´Zambezi Lodge vorbeiführt, ein Verkehrsschild: Ein gelbes Quadrat mit einem schwarzen Rand und einem Elefanten darauf, der drohend den Rüssel hebt.

Der Sambesi NP hat eine Fläche von 56.000 ha. Er wird im Norden durch den Sambesi, im Osten durch das Stadtgebiet Victoria Falls, im Westen durch die Grenze nach Botswana und im Süden durch eine Linie weit unterhalb des Chamabonda Drives begrenzt. Von diesem riesigen Bereich hat der Sambesi NP nur zwei Hauptwildbeobachtungszonen: Den Zambezi River Game Drive (den die Laufreisegruppe erkundet hat) mit einem großen Netzwerk von Wegen. Und den 25 Kilometer langen Chamabonda Game Drive im südlichen Park. Beide Beobachtungsgebiete sind nur durch ein Parktor mit entsprechender Melde- und Zahlstelle zu erreichen. Die Straße, auf der die Teilnehmer der Anschlussreise von Victoria Falls/Simbabwe nach Kasane/Botswana gefahren sind (Kazungula Road) führt mitten durch den NP und dient in erster Linie dem Transit.

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Am Veranstaltungstag des Vic Falls Run - Sonntag, den 14. Juli 2013 - treffen die Teilnehmer der Sportotto-Gruppe mit ausreichendem Zeitpolster auf dem Parkplatz an der Mosi-Oa-Tunja-Road (-17.927262,25.841013) ein. Es ist noch stockfinstere Nacht und kalt. Die Athleten werden daran erinnert, dass ja nun tiefster Winter im südlichen Afrika herrscht. In der Klimatabelle für Victoria Falls finden sich Tagestemperaturen von 25 °C und Nachttemperaturen von 6 °C. Sehr zu empfehlen ist warme Kleidung für den Startbereich, die erst kurz vor dem Start abgelegt wird.

Um 06:45 h ist es dem Veranstalter hell genug, dass er die Marathonläufer auf die Strecke in Richtung Fälle schickt. Die Atmosphäre ist einmalig. Nach kurzer Übergangszeit kündigt sich die Sonne an und in etwa 1,5 Kilometern zeichnen sich über den Fällen die Mosi Oa Tunja, die donnernden Wolken, am Himmel ab.
Eine halbe Stunde später wird der Berichterstatter im 21-Kilometer-Feld auf die lange Reise durch die afrikanische Savanne gestartet. In 1.200 Metern über dem Meeresspiegel. Unter strahlend blauem Himmel, mit wenig Schatten auf dem Parcours. Minuten später erreichen die Sportler den Stadtrand von Victoria Falls und befinden sich geradewegs im Victoria Falls Nationalpark. Kein Parktor versperrt dem Läuferfeld den Weg und auf der leicht abschüssigen Straße Richtung Grenze nehmen die Halbmarathonläufer ordentlich Tempo auf.

An der rechten Straßenseite taucht plötzlich der erste Zuschauer auf. Ein drahtiger Geselle mit vielen Borsten auf der Haut und vier Beinen. - Ein Warzenschwein. Selbstbewusst steht das wehrhafte Tier mit seinen vier auffälligen Hauern am Straßenrand und beobachtet aufmerksam diese seltsamen Mitglieder einer Rotte, die alle einem Anführer zu folgen scheinen. Ich wäge ab: Foto - oder heile Läuferbeine. Halte Ausschau nach den typischen Anzeichen von Stress oder Aggression: Aufgestellte Nacken-/Rückenhaare und der senkrecht aufgestellte Schwanz. Nichts zu sehen. Das Schwein ist total entspannt. Mittlerweile bin ich schon ein paar Meter weiter. Ein Foto muss aber sein. Ich betrete den Seitenstreifen. Halte die Luft an und mache mein Foto (Nr. 8 im Album "Victoria Falls Run"). Das Warzenschwein ist immer noch fasziniert von dieser Rotte, die auch in seinen Augen planmäßig ein großes Ziel verfolgt. Mir fällt ein Stein vom Herzen und laufe nun entspannt weiter. Warzenschweine erreichen eine Geschwindigkeit bis zu 55 km/h.

Die Athleten betreten bei Erreichen der simbabwischen Grenzkontrollstelle den Grund des prähistorischen Sambesi. Sie befinden sich nun auf einer Art Halbinsel. Auf der linken Seite befinden sich in einer Schlucht in etwa 400 Metern Entfernung die jetzigen Victoriafälle. 300 Meter auf der rechten Seite sind vor rund 10.000 Jahren die Wasser über die Abbruchkante in eine andere Schlucht gefallen. In Strömungsrichtung hat sich dieser Vorgang mehrfach wiederholt, dass man heute von First Gorge (heutige Fälle) bis Fifth Gorge zählt (wenn man so will vor 40.000 Jahren). Auf Google Maps kann man das Phänomen hier (-17.924679,25.855079) ganz gut betrachten.

Den Grundstock für den zickzackförmigen Verlauf des Sambesi´s in einem tiefen Canyon haben glühende Basaltmassen bei der Erkaltung vor 150 Mio. Jahren geschaffen. Im erkaltenden Basalt entstanden tiefe Spalten, die dann mit Sand der Kalahari zugeweht wurden. Später suchte der Sambesi seinen Lauf, spülte den Sand heraus und erodierte auch die Verbindungswege aus dem harten Basalt. Weil die Spalten nicht parallel verliefen, bildeten sich die typischen Spitzkehren heraus.

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Nach dieser Etappe mit prähistorischer Exkursion erreichen die Laufsportler den für mich schönsten Teil der Strecke, die Sambesibrücke. Zur frühen Morgenstunde ist die Stimmung einmalig. Die Luft ist noch kühl und die Sonne steht über den sambischen Victoriafällen knapp über dem Horizont. Weiße Wolken steigen aus der 1,6 Kilometer langen Schlucht auf. Nicht wenige Teilnehmer vergessen Uhr und neue Bestzeiten, halten an und fotografieren durch den Canyon einen Ausschnitt der Fälle. Die Brücke hat eine Gesamtlänge von 200 Metern. 130 Meter tiefer tosen die Wasser der gesamten Fälle durch die schmale Schlucht. So wie hier vieles im Land "very British" ist, wurde die Stahlbogenbrücke vor über 100 Jahren in England gebaut und nach Simbabwe geschafft.

Ab Mitte der Brücke befinden sich die Sportler in Sambia. Genauso problemlos wie der Grenzübertritt im Laufschritt von Simbabwe erfolgt war, passieren sie nach einigen hundert Metern die Grenzabfertigungsstelle in Sambia. Die Grenzabfertigung für Lastkraftwagen ruht für die Veranstaltungszeit. Bis zum Wendepunkt in wiederum einigen hundert Metern ist die Strecke für Straßenbenutzer eintönig, da überwiegend zugewachsen. Von dem Kraftwerk, das sich auf der rechten Seite 200 Meter von der Straße entfernt unten in Gorge 3/Gorge 4 befindet, ist nichts zu sehen. Ebenso von der Wasserentnahmestelle kurz vor den Fällen (oben). Dabei handelt es sich in diesem Bereich der Canyons um eine absolut spektakuläre Landschaft. Die erschließt sich aber in erster Linie nur mit einen Hubschrauberflug (Foto Nr. 9 im Album "Victoria Fälle").

Über den Zambezi Drive erreichen die Athleten die erste Getränkestation (-17.912598,25.841222). Direkt unter einem riesigen Baobab hat der Veranstalter eine außergewöhnlich schöne Wasserstelle für die Aktiven eingerichtet. Zusätzlich gib es von einer afrikanischen Musikgruppe flotte Rhythmen für das Tempo.
So auf Trab gebracht gelangt das Feld nun langsam in den Zambezi Nationalpark. Weiter führt der Weg an der A´Zambezi River Lodge vorbei zum Parktor in die bereits oben erwähnte Wildbeobachtungszone. In einem großen Bogen führt der Parcours auf der zweiten Pendelstrecke in Richtung Victoria Falls Safari Lodge. Die Sonne macht sich mehr und mehr bemerkbar und die Elefantenwarnschilder tauchen auf. Aber alles bleibt ruhig. Stattdessen haben die Läufer mit der Steigung zur Safari Lodge zu kämpfen. Oben angekommen warten zur Belohnung Mitarbeiter an einer privaten Verpflegungsstation mit Getränken, Apfelsinen und Livemusik.

Finisher Victoria Falls Marathon Simbabwe.Nach einem Kilometer taucht der Ortsrand von Victoria Falls auf. Die Ausdauersportler laufen durch die halbe Stadt bis zur Hauptstraße Livingstone Way (A8), biegen zweimal rechts ab und kommen zur Kazungula Road, an der sich das Stadion mit dem Ziel (-17.933417,25.819051) befindet. Deren Ausdauer wird aber noch einmal so richtig auf die Probe gestellt, als sie hinter dem Sportstätteneingang feststellen, wie lang noch der Weg zum ersehnten Ziel ist.
Der Stadionsprecher begrüßt mich kurz vor dem Ziel mit Namen, Alter und Herkunftsland. Ich will noch einmal richtig Gas geben, aber die afrikanische Sonne hat mich auf den 21 Kilometern treu begleitet. Verzichte auf Endspurt und großes Finale. Laufe gemessenen Schrittes die letzten Meter. Bekomme meine Medaille. Bin einfach nur glücklich und befürchte, dass ich noch feuchte Augen bekomme.

Matthias Gerkum (Geschäftsinhaber) und Werner Otto (Seniorpartner) von Werner Otto Sportreisen haben die Reise zum Victoria Falls Marathon begleitet. Es war meine erste Reise mit dem Unternehmen und ich bin begeistert von der kompetenten und sympathischen Art der beiden. Sie und örtliche Reiseführer/Guides haben sich intensiv um zehn Laufreiseteilnehmer gekümmert. Höhepunkt der Expedition in´s südliche Afrika war für mich die Teilnahme am Lauf inmitten zweier Nationalparks, entlang der Victoriafälle und durch zwei Länder. Die Veranstaltung mit 432 Finishern (42 km und 21 km) ist recht überschaubar, aber trotzdem wird eine bemerkenswerte Abschlussfeier im Stadion der Victoria Falls Primary School geboten.
Auf der Anschlussreise nach Botswana erlebten die Laufreisenden ein echtes Abenteuer im Okavango Delta auf der Nxaragha Insel. Im Camp Okavango (-19.134455,23.101142) schlafen sie mitten in der Wildnis in Zelten. Nichts ist eingezäunt. Es gibt keine Straßen, kein Fernsehen, Radio, Telefon oder Handynetz - nur reichlich Tiere ringsherum. Bis hin zu Elefanten und Krokodilen. Bei Dunkelheit dürfen die weit verstreuten Zelte nur in Begleitung eines Rangers aufgesucht und verlassen werden. Einzige Verbindung zur Außenwelt ist das Zwei-Wege-Radio des Lodge-Managers und der Buschflieger - der allerdings nur bei guter Sicht fliegt. Selbstverständlich werden vorher auf der 890 Meter mit Gras bewachsenen Landebahn die Antilopen verjagt.

Die beiden Zahlen in Klammern sind die Koordinaten der Orte, die bei Google Maps in das Eingabefenster eingegeben, den Ort anzeigen.

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Finisher Econet Victoria Falls marathonn 2013, Stand 16.07.13
42 km
10 km
5 km
Summe
102
330
keine Zeiterf.
432
Rainer Lingemann, 15.09.13
Victoria Falls Run    Victoria-Fälle    Safaris    Trainingsläufe
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Hintergrundfoto: Der Afrikanische Affenbrotbaum. Auch Afrikanischer Baobab genannt, zählt zu den bekanntesten und charakteristischsten Bäumen des südlichen Afrika.